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Kommentare und Anregungen zum FTI-Forum ...querdenken... Das FTI-Forum "... querdenken ..." bot eine Gelegenheit zur Reflexion der in den vier Entwicklungspanels erreichten Zwischenergebnisse sowie zur Diskussion der Querschnittsthemen Internationalisierung, Attraktivität des Forschungsstandorts, Diversität und Marketing. Auch außerhalb der Veranstaltung waren die an der Wiener FTI-Strategie interessierte ExpertInnen, WissenschafterInnen und Einrichtungen eingeladen, ihre Kommentare und Anregungen zum Fortschritt der Wiener FTI-Strategie bzw. deren Themen einzubringen. Schwerpunkte definieren und stärken. Die wichtigste Maßnahme ist die langfristig vorausschauende Selektion von zwei bis drei Wissensbereichen, in denen Wien eine zumindest EU-weit führende Position einnehmen möchte (Biotech, Nano, IKT, Renewable Ressources, Organisation of Mobility 2050+, Arbeitswelt und soziale Fairness, Ageing Society, etc.) - dies birgt zugegebenermaßen ein gewisses Risiko. Verbunden damit wäre eine kritische Bewertung vorhandener Kapazitäten, um zu beurteilen, auf welchem Niveau man starten kann. Dann sind in Verhandlungen und Kooperation mit den wesentlichen F&E Einrichtungen im Umkreis von 300 bis 400km rund um Wien strategische Allianzen bezüglich der selektierten Schwerpunkte zu bilden, um wissenschaftlich kritische Massen zu erreichen. Dabei muss Wien in zumindest zwei Bereichen Leadership sicherstellen (auch im Sinne bereitgestellter Finanzmittel von Wien, Bund und EU). Daraus leiten sich Investitionen, Ausbildungsinitiativen, Investorenanreize, Konzernansiedlungen, Standortentwicklung, strukturelle Änderungen etc. ab sowie das Potenzial, langfristig attraktiv für SpitzenforscherInnen zu sein. Die spezielle Lage Wiens an der Grenze zwischen alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten bietet eine historische Chance, aber mit einem sehr kurzen 'window of opportunity'. Kleinteiligkeit als Stärke, besonders in den Kulturwissenschaften. Viele kleine Institute können in einigen Disziplinen zu mehr "Forschungsexzellenz" führen als wenige große. In den Kulturwissenschaften machen hochspezialisierte Zentren nur bei spezifischen Fragestellungen Sinn. Diese Forschung liefert vorwiegend Momentaufnahmen einer sich ständig wandelnden sozialen Welt. Wiederholte Forschung an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten ergibt sinnvolle Einblicke. Spezialisierung kann Monopole schaffen, die hier kontraproduktiv sind. Größere Institute verfestigen ihre Sichtweisen, seltener werden sie eigene Arbeiten widerlegen. In einigen Disziplinen ist die Forschungsqualität besonders von der ständigen kritischen Reflexion und Diskussion abhängig. Diese kann nur in einem Netz kleinerer, möglichst unabhängiger Einheiten gedeihen. Bei großen zentralen Forschungseinheiten können berufliche Interessenskonflikte und persönliche Empfindlichkeiten einem offenen Diskussionsklima entgegenstehen. Die in Wien existierende einzigartig bunte Vielfalt an kultur- und sozialwissenschaftlichen (außeruniversitären) Forschungsinstituten stellt eine international bekannte Stärke dar und sollte im Dialog mit den Betroffenen bewahrt und ausgebaut werden. "Stärken stärken" und "Leuchttürme" bauen zu einseitig. Diese Orientierung entspricht weder "Wien ist anders" noch dem hohen integrativen Konsens in der Stadt. Nicht die "Gießkanne" ist die Alternative, sondern Vernetzung unterstützen und daraus Synergien, ökologische und soziale Verantwortung (mittel- und langfristige Ziele) herstellen. Für die Creative Industries-Forschung und -Förderung vor allem die Argumente der seedbeds', der Vernetzung, der lokalen Schwerpunkte und der Entwicklung des (marktfernen) Unterfutters analysieren, sensitiv fördern und durch zulassende, nicht regelnde Stadtplanung an spezifischen Orten entstehen lassen. Daraus entstehen für die Stadt nicht nur Umwegrentabilitäten (Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Wertschöpfung), sondern auch direkte Effekte durch 'vibrant places' als Voraussetzung für 'sticky knowledge' und die Überlagerung von 'clustern' (lokal gebundene Synergien unterschiedlicher Institutionen), 'Netzwerken' (thematisch spezialisierter, räumlich ungebundener Informations- und Wissensaustausch) und 'Szenen' (spontan und aktionistische Verabredungen zu 'events' an wechselnden Orten), was die Voraussetzung für neue Images und den Zufluss kreativer Köpfe ist. In diesem Zusammenhang pro-aktive Hochschulpolitik durch Unterstützung von problembezogenen, interdisziplinären Vernetzungen betreiben. "Sternbilder" statt "Leuchttürme". Immer wieder taucht das Bild des "Leuchtturms" auf ("Stärken stärken"). Dem kann das Bild des Sternenhimmels entgegen gesetzt, was der Position der Vielfalt der (ungeordneten, hierarchiefreien) Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften entspricht. Als Kompromiss könnte man sich an "Sternbilder entwickeln" orientieren: als Vernetzung der helleren Sterne zu sinnvollen Bildern mit hoher Symbolik. Vielleicht sind ja die Namen von Sternenbildern sogar geeignet, tatsächliche Cluster/Netze zu bezeichnen... Erfolgsindikatoren definieren. Man sollte vorweg Kriterien definieren, nach denen der Erfolg der Wiener FTI-Strategie und deren Ergebnisse gemessen werden. Dies wäre auch hilfreich, um mögliche Initiativen zu starten. Grundsätzlich sollten Forschungs-, Technologie- und Innovationsstrategien nach folgenden Gesichtspunkten gegliedert werden: Bildung - Ausbildung - Grundlagenwissenschaft - Anwendungsorientierte Forschung - Technologie- und Technikentwicklung - Kunst. Dabei sollte die verwirrende Kompetenzverteilung in der österreichischen Politik (Zuständigkeit der einzelnen Ministerien für Bildung, Kunst, Wissenschaft und Technologieentwicklung) transparent dargestellt werden. Diskurs über Forschung & Entwicklung statt Wunderkammer Forschung & Entwicklung. Zwar erfahren wir von mehr oder weniger spektakulären und mitunter kuriosen Ergebnissen von Forschung und Entwicklung, aber selten wie sie zustande kamen. Es fehlt an der Vermittlung dessen, wie Forschung vor sich geht und worin ihre Grenzen bestehen. So bleibt es nicht beim Staunen, sondern werden Verstehen und kritische Diskussion möglich. Denn wir haben ohnehin nicht zuviel, sondern zu wenig kritische Diskussion von Forschung und Entwicklung. Zusammenarbeit von BürgerInnen mit ForscherInnen statt FTI-Starmania. Anstelle der Präsentation von Stars der Forschung braucht es geeignete Maßnahmen dafür, daß die Zivilgesellschaft ihre Anliegen in Forschung und Entwicklung einbringen kann. Bestehende und bewährte Modelle dazu sollten gestärkt, neue Modelle durch die scientific community erprobt werden. Durch solche bürgerInnennahe Forschungen und Entwicklungen würde der potenzielle Nutzen von Forschung und Entwicklung augenscheinlich und Vertrauen in Forschung und Entwicklung geschaffen werden. Über neue Formen der Wissenschafts-Kommunikation nachdenken und medial verankern. Nötig sind mehr Informationen und Diskussions-Plattformen für die "großen Themen" der Herausforderungen durch Veränderungen. Und: Nicht "Verständnis für technologischen Fortschritt schaffen", sondern bei technologischen Innovationen Sensibilisierung für mögliche Ambivalenzen schaffen (es gibt gute Gründe, skeptisch zu sein). Rationalisierung statt Emotionaliosierung. Dabei kann ein sozialwissenschaftlicher Schwerpunkt über den Zusammenhang zwischen technologischem und sozialem Wandel gebildet werden. Motto: Verstehen, Positionen Wert schätzen, Diskurs entwickeln. Bottom up-Kommunikation für Wiener FTI-Strategie. Für die künftige Weiterentwicklung der Wiener FTI-Strategie empfiehlt sich die Einrichtung eines eigenen Internetportals mit der bewährten "Wikipedia"-Methode für die Sammlung von Ideen aus der Bevölkerung und Institutionen. Der Vorteil: Dieses Portal hilft jenen Unternehmen, Institutionen und kreativen Menschen, die bei den Entwicklungspanels nicht teilnehmen konnten, ihre Inputs zu geben und die der anderen zu sehen bzw. zu kommentieren. Kommunikationsinfrastruktur zur Stärkung kleinteiliger Strukturen. Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten bieten gerade der Vielfalt kleinerer Institute neue Kooperationsmöglichkeiten. Am wichtigsten erscheint der Ausbau einer Infrastruktur, auf die alle Wiener Institute Zugriff haben (Internet, Datenbanken, Geräte, etc.). Bei themenspezifischen Veranstaltungen können die potenziellen KooperationspartnerInnen aus verschiedenen Bezirken gezielt zusammenkommen. Forschungsgelder sollten verstärkt auch an sozial gerechte, gender-sensible und nachhaltige Strukturen geknüpft werden. Gesellschaft hat keine Hol-, sondern Wissenschaft hat eine Bringschuld. Vor dem Hintergrund dieser Tatsache sollte die Stadt eine strategische Vernetzungs- und Vermittlungsfunktion einnehmen. Wissenschaft steht nicht außerhalb der Gesellschaft, sondern ist Teil von ihr - diese Analyse ist Teil der Gesellschaftswissenschaften. Die Wiener FTI-Strategie sollte daher Themen beinhalten wie: Flexible Arbeitsmärkte (gerade in den Creative Industries und den modernen Dienstleistungen), nachlassender Wohlfahrtsstaat, nachlassende Solidarität, geringere Integrationsbereitschaft, "soziale Ungleichheit" und (intensivierter) "sozialer Wandel" sowie "Segregation/Integration", davon sind abhängig "Innere Sicherheit", "Kriminalität" etc - genau hier "bröckelt" es in Wien. Auch wäre zu untersuchen, was an Wien "anders" ist? Was ist zu bewahren und wie kann man das unter veränderten Rahmenbedingungen (Globalisierung, neues Staatsverständnis, zivilgesellschaftlicher Herausforderungen etc.) tun? Nachfragemacht der öffentlichen Hand als Innovationshebel. Die Nachfragemacht von Wien gezielt als Förderinstrument einzusetzen, wäre absolut zielführend und könnte bei Gelingen auch Vorbildwirkung für Bund und Länder haben. Damit so eine Politik greifen kann, sind jedoch eine Reihe von Überlegungen und Maßnahmen zu treffen, darunter - erstens - eine sorgfältige Auswahl der thematischen Schwerpunkte, die durch Beschaffungsmaßnahmen gefördert werden (z.B. Synergien mit Forschungsschwerpunkten - auch vom Bund); interessant wären große thematische Initiativen mit gesellschaftlicher Relevanz wie z.B. Lebenslanges Lernen. Zweitens wären die Vergaberichtlinien zu überarbeiten, sodass Innovationsaspekte entsprechend hoch gewichtet werden, und noch wichtiger: Training und Überzeugung der "vergebenden Stellen", die Vergabepraxis auch tatsächlich an diese neuen Gegebenheiten anzupassen. Überprüft werden sollte auch, inwieweit innovativen KMUs der Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtert werden kann. Drittens, will man tatsächlich Lead-Markets etablieren, so ist der thematische Schwerpunkt im Vorfeld möglichst gut auf seine Lead-Market-Fähigkeit zu untersuchen. Viertens sollten Bewertungskriterien für die Quantifizierung des Erfolges einer solchen Beschaffungspolitik aufgestellt und entsprechend evaluiert werden. Kooperation mit der indischen Software-Industrie. Hier geht es darum, dass der "24. Bezirk Wiens " im Internet eingerichtet wird. Dieser virtuelle "Bezirk" wäre eine Brücke zwischen Wiener Unternehmen und der Software-Industrie in Indien. Andere Städte in Europa könnten durch diese Kooperation von der Stadt Wien profitieren und Wien wird zum Know how-Hub in dieser Branche. Statt Indien immer für Kosteneinsparungen zu verwenden (Stichwort Arbeitsplatzabbau in Wien) wird es umgekehrt sein: Durch indisches Know how werden Arbeitsplätze hier aufgebaut, ohne dass Inder her kommen müssen. Die benötigten Kontakte zu Indien wären vorhanden. Stadtentwicklung für den Forschungsstandort. Im Kontext der Stadtentwicklung sollte die Wiener FTI-Strategie in erster Linie Antworten zur Entwicklung von "science city"-Stadtteilen (Aspern, Arsenal) liefern, bezugnehmend auf den STEP und die darin ausgewiesenen Entwicklungsgebiete. Zu forcieren ist eine Strategie der Brownfield-Entwicklung - Zeitschienen, Clusterbildung - sowie eine funktionierende Hochschulstandort-Koordination durch die Stadt. Gegenüber diesen Zielsetzungen sollten andere Themen wie einzelne Gebäude (Studentenwohnheime, Boardinghouse für Forschende etc.), Architektur (als Symbol von was?), kleine Areale (Muthgasse ist alles andere als ein Forschungscluster), one-stop-shop (das ist nicht Stadtentwicklung, sondern Verwaltungsmodernisierung) oder gar "aufgeschlossene öffentliche Meinung" in den Hintergrund treten. Vorbild sollten die Stadtentwicklungsdiskurse anderer Städte sein, die von Offenheit, Partizipation, Ringen um Zielsetzungen und konstruktiver Kritik gekennzeichnet sind. |
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