Panel 1: Wirtschaft - Forschung, Technologie

und Innovation (FTI) im Unternehmenssektor

Für die Steigerung der regionalen Innovationskraft Wiens haben Forschung und Entwicklung im Unternehmenssektor enorme Bedeutung. Untersuchungen zeigen, dass die Forschungs- und Innovationsleistung von in Wien ansässigen Unternehmen einerseits noch immer im europäischen Mittelfeld liegt. Andererseits heißt dies aber auch, dass durch Strategien und Maßnahmen zur Stärkung bzw. Dynamisierung von FTI im Unternehmenssektor ein Potenzial freigesetzt werden kann, mit dem Wien künftig zur europäischen Spitze aufschließen kann.

Monetäre Unternehmensförderung. Wien setzt schon heute eine Reihe von eigenständigen Maßnahmen, um im Sinne einer regionalen Technologiepolitik Forschung und Innovation im Unternehmenssektor zu unterstützen. Dabei können Schwerpunktsetzungen, die auf die besonderen Bedürfnisse des Standorts Wien eingehen, eine wertvolle Ergänzung zu den auf Bundesebene vergebenen Förderungen darstellen.

Welche inhaltlichen oder auch strukturellen Schwerpunktsetzungen von monetären Förderungen können künftig eine optimale - und zur Praxis des Bundes komplementäre - Innovationsförderung von Wiener Unternehmen gewährleisten?

Unterstützung im Bereich Infrastruktur. Eine der nachhaltigsten Möglichkeiten zur Verbesserung der Standortbedingungen besteht in der Schaffung ausreichender räumlicher Infrastruktur für Technologieunternehmen. Bei der Errichtung von Innovations- und Technologiezentren ist jedoch angesichts einer großen Anzahl von privaten Immobilienentwicklern eine thematisch durchdachte Strategie unbedingt nötig.

Welche Technologieimmobilien, zu welchen thematischen Schwerpunkten, mit welchem Mix von NutzerInnen und unter Heranziehung welcher rechtlicher bzw. finanzieller Errichtungsmodelle sollen künftig in Wien forciert werden?

Non-monetäre Unterstützung: "Soft Measures". Gerade regionale Akteure mit einer größeren Nähe zu Unternehmen und anderen technologie- und innovationspolitisch relevanten Einrichtungen können Dienstleitungen wie Beratung, "Matchmaking", Unterstützung beim Zugang zu Risikokapital, Aufbau von Clusterstrukturen etc. gut und effizient anbieten.

Wie ist das Angebot solcher "Soft Measures" für Wien in qualitativer wie in quantitativer Hinsicht zu gestalten, damit z.B. künftige Clusterinitiativen eine optimale Durchschlagskraft entfalten können?

Internationalisierung. Die verstärkte internationale Ausrichtung des Standorts ist eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und Prosperität auch in der Zukunft. Dies betrifft die Neuansiedlung von internationalen, forschungsorientierten Unternehmen ebenso wie die verstärkte Internationalisierung von Wiener Unternehmen?

Wie können verstärkt Unternehmen mit F&E-Schwerpunkten nach Wien geholt werden, und welche Maßnahmen zu Exportorientierung und internationalem Engagement können die mittel- und langfristigen Chancen für Wiener Unternehmen stärken.

Unternehmensfinanzierung. Das Vorhandensein von Risikokapital, das mit entsprechender Managementunterstützung v.a. für junge UnternehmerInnen einhergeht, ist ein entscheidender Faktor für Entstehung und Wachstum von technologieorientierten Unternehmen.

Wie können vor dem Hintergrund der relativ geringen Eigenkapitalquote der in Wien ansässigen Unternehmen (speziell der Klein- und Mittelbetriebe) bestehende, von der öffentlichen Hand gestützte Maßnahmen optimiert werden?

Offene Gesellschaft. Der Erfolg eines Technologiestandortes ist auch davon abhängig, wie aufgeschlossen das allgemeine gesellschaftliche Klima für neue Entwicklungen ist. In einer Gesellschaft, die "neuem" tendenziell positiv gegenübersteht, werden sich auch innovative Ideen leichter durchsetzen und werden ForscherInnen und Unternehmen gerne daran arbeiten.

Mit welchen Maßnahmen kann die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für den allgemeinen Wohlstand in der Öffentlichkeit verstärkt vermittelt, ausländische WissenschafterInnen für den Forschungs- und Lebensplatz Wien gewonnen und FTI-Politik demokratisch und transparent gestaltet werden?

Stimulierung von Technologie und Innovation durch öffentliche Nachfrage. Durch gezielte Nachfrage der öffentlichen Hand können neue Technologien gefördert und ihnen zu einem Durchbruch am Markt verholfen werden. Der strategische Einsatz der öffentlichen Nachfragemacht könnte innovative Produkte und Unternehmen und damit die Standortentwicklung unterstützen.

Mit welchen Instrumenten könnte Wien eine solche Rolle als Technologie-Schrittmacher expliziter, kontinuierlicher und systematischer ausfüllen als heute, wo die Stadt diese Option allenfalls sporadisch wahrnimmt?


Teilnehmende ExpertInnen
Eugen Antalovsky, Europaforum Wien
Christian Bartik, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH

Thomas Berndt, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH, Immobilien
Eva Buchinger, ARC Austrian Research Centers GmbH
Eva Czernohorszky, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
Henrietta Egerth, FFG-Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH
Stefan Ehrlich-Adam, EVVA-Werk, Spezialerzeugung von Zylinder- und Sicherheitsschlössern

Josef Fröhlich, ARC Austrian Research Centers GmbH
Sonja Hammerschmid, Austria Wirtschaftsservice, Life Science Austria (LISA)
Claus Hofer, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
Johannes Höhrhan, IV Vereinigung der Österreichischen Industrie Wien
Gernot Hutschenreiter, WIFO-Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung

Dieter Kaiser, Wiener Kreditbürgschaftsgesellschaft m.b.H.
Alexander Kaufmann, ARC Austrian Research Centers GmbH
Markus Kommenda, ftw. Forschungszentrum Telekommunikation Wien Betriebs-GmbH
Peter Mayerhofer, WIFO-Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Gerald Murauer, Gerald Murauer & Partner Strategic Consulting

Helmut Naumann, WK-Wirtschaftskammer Wien, Wirtschaftspolitische Abteilung
Thomas Neubauer, Symena Software & Consulting GmbH
Thomas Neuroth, ftw. Forschungszentrum Telekommunikation Wien Betriebs-GmbH 
Thomas Oliva, IV Vereinigung der Österreichischen Industrie
Eveline Ronge, Marketing Communications

Walter Schmidt, AFFIRIS GmbH
Sonja Sheikh, KMU Forschung Austria
Edeltraud Stiftinger, ZIT Zentrum für Innovation und Technologie GmbH
Brigitte Tiefenthaler, Rat für Forschung und Technologieentwicklung
Elisabet Unger, Magistrat der Stadt Wien, MA 27 - EU-Strategie und Wirtschaftsentwicklung

Alexander Wolffhardt, Europaforum Wien